veröffentlicht am 10. April 2026
Wir Züchter wissen, der Farbschlag eines Schauwellensittichs ist immer eine Frage der Wahrscheinlichkeit. Im März 2022 jedoch, hatte ich kurz daran gezweifelt und alles hinterfragt, was ich je über Vererbungslehre und Wahrscheinlichkeiten zu glauben wusste. Vier Eier - alle befruchtet. Vier Küken - alles Rotaugen. Alles Falben. Was sind Falben? Was macht Falben so besonders? Was sollte man wissen, wenn man Falben züchtet? Seitdem ich Falben züchte und auf Schauen ausstelle, häufen sich diese Fragen. In diesem Bericht möchte ich sie beantworten und euch einen Einblick geben in meine kleine Spezialzucht.
Zugegeben, diese Frage stellte ich mir auch, als ich am 27. März 2022 ein Küken mit roten Augen im Nistkasten liegen sah. Zwei Tage später schlüpfte das nächste Küken. Rotauge. Ich züchte seit Jahrzehnten Schauwellensittiche und hatte schon vieles gesehen, doch damit rechnete ich nicht. Die Überraschung ließ auch nicht nach, nachdem sich die anderen beiden Küken ebenfalls als Rotaugen entpuppten. Zunächst dachte ich an Lacewings oder Albinos, doch seit 2015 hatte ich keine Rotaugen mehr in meinem Bestand. Ein Telefonat mit Ralph Jenne später dann die Gewissheit: Es sind Falben.
Unwahrscheinlich aber nicht unmöglich
Die Henne (Zimt Opalin Grau) stammte aus der Eikermann-Linie. Der Hahn (Gelbgesicht Zimt Hellblau) war eine Einkreuzung von Ralph Jenne. Beide Eltern mussten demnach Spalt in Falbe gewesen sein. Die Wahrscheinlichkeit bei dieser Verpaarung einen sichtbaren Falben zu züchten liegt bei 25 %. Die Wahrscheinlichkeit, dass alle vier Küken sichtbare Falben sind lag als bei 0,25⁴ [0,25*0,25*0,25*0,25 = 0,0039] und damit bei 0,39 %. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich bereits mehrere Schauwellensittiche die Spalt in Falbe waren im Bestand, ohne dies zu wissen. Erst durch diese Verpaarung waren erstmals sichtbare Falben zum Vorschein gekommen. In meinem Fall waren es gleich vier auf einen Streich:
Falben-Wellensittiche zeichnen sich durch eine Mutation aus, bei der das schwarze Eumelanin durch den bräunlichen Farbstoff Phäomelanin ersetzt wird. Dies führt zu einer aufgehellten, bräunlichen Wellenzeichnung und hellen, rötlichen Augen. Sie zeigen eine veränderte Melaninproduktion, wobei die Körperfarbe oft sanfter erscheint. In seinem Wellensittichbuch beschreibt Theo Vins den normalen Falben wie folgt:
"Maske am Hals durch 6 gleichmäßige, im gleichen Abstand angeordnete, große runde Tupfen verziert, von denen die beiden äußeren auf jeder Seite durch längliche Wangenflecke teilweise verdeckt werden. Gleichmäßige Körperfarbe. Wellenzeichnung an Kopf, Wangen, Hals, Rücken und auf den Flügeln." (Vins 2008, S. 275)
Hauptmerkmale von Falben-Wellensittichen
| Erscheinungsbild |
Sie wirken insgesamt heller als normale Wellensittiche, oft mit einem aufgehellten Körpergefieder. |
| Wellenzeichnung | Die typische Zeichnung ist hellbraun oder zimtfarben, nicht schwarz. |
| Augenfarbe | Falben haben charakteristische rote Augen (Pflaumenaugen), die jedoch im Licht oft hell rötlich erscheinen. Verbreitet sind kontinentale Falben mit weißem Irisring und englische Falben, welche keinen Irisring haben. |
| Vererbung | Die Vererbung ist rezessiv. |
| Phänomelanin | Der rötliche/bräunliche Farbstoff dominiert, während das schwarze Eumelanin stark reduziert ist. |
In meinem Fall handelt es sich um kontinentale Falben mit weißem Irisring. Falben sind nicht zu verwechseln mit Lutinos oder Albinos, da sie trotz der hellen Zeichnung und Augen noch Reste der ursprünglichen Melaninzeichnung aufweisen.
Vererbung bei Falben
| Falbe | x | Falbe | = | 100 % Falbe |
| Falbe | x | Normal | = |
100 % Normale (Spalt Falbe) |
| Falbe | x | Normal (Spalt Falbe) | = |
50 % Falbe 50 % Normale (Spalt Falbe) |
| Normal (Spalt Falbe) | x | Normal (Spalt Falbe) | = |
50 % Normal (Spalt Falbe) 25 % Normal 25 % Falbe |
| Normal | x | Normal (Spalt Falbe) | = |
50 % Normal 50 % Normal (Spalt Falbe) |
Gefühlt aus dem Nichts hatte ich also vier sichtbare Falben im Bestand. Falb-Wellensittiche in guter Qualität zu züchten gilt als anspruchsvoll (siehe unten) und daher zählen sie auf Ausstellungen auch zu den sogenannten schwierigen Farben bzw. schwierigen Farbschlägen. Normalerweise ist es sehr schwer mit dieser Mutation außerhalb der eigenen Schauklasse auf Ausstellungen mit den Normalen mitzuhalten. Umso überraschter war ich, als ich sah wie sich die Jungtiere entwickelten. Die beiden Gelbgesichter stachen besonders hervor.
Erste Erfolge
Nur knapp sechs Monate später wurde mein zweiter Falbe Gelbgesicht auf der DSV Bundesschau 2022 Bundesgruppensieger. In Anbetracht der Qualität und der positiven Resonanz war früh für mich klar: Ich möchte die Falben in meinem Bestand festigen. In der Zuchtsaison 2022/23 zog ich dann sehr viele Spalter und konnte die Erfolge auf den Schauen wiederholen. Der bereits erwähnte Falbe Gelbgesicht wurde Landessieger OWL 2023, sein älterer Bruder wurde Bundesgruppensieger und zudem bester Vogel unter den schwierigen Farbschlägen auf der DSV Bundesschau 2023.
Wichtige Erkenntnisse
In der darauf folgenden Zuchtsaison kamen dann weitere Falben hinzu. Meine sichtbaren Falben waren damals alle aus der Blaureihe, jedoch kamen Stück für Stück immer mehr Spalter aus der Grünreihe hinzu. 2024/25 experimentierte ich mit Falbe x Spalt und Spalt x Spalt Verpaarungen und auch wenn die Qualität überwiegend gut war, fand ich sie bei den Verpaarungen mit Spalt x Spalt besser. Auch die Vitalität der Jungtiere aus diesen Verpaarungen war nach dem Absetzen nachweislich besser. Im Jahr 2025 kamen weitere starke Ergebnisse auf den Ausstellungen (Landesschau, Bundesschau & Rhein-Main-Schau) hinzu.
Herausforderungen bei der Falbenzucht
Die Falben-Mutation bringt auch einige Herausforderungen mit sich. Theo Vins beschreibt zwei davon im Wesentlichen:
Meine Erfahrung & Reaktion
Die Falbenzucht ist anspruchsvoll. Man braucht viel Geduld und kann nicht erwarten, dass alles von Beginn an klappt - selbst wenn es auf dem Papier gut ausschaut. Ich hatte auch das Glück, gleich zwei sehr schöne Schauvögel zu züchten und diese im Bestand zu festigen. Allerdings dauert es, Falben mit guter Qualität im Bestand zu sichern und nicht jede Verpaarung klappt wie erhofft. Die oben genannten Probleme sind absolut real, wenn man Falben züchten möchte.
Wie schon gesagt, ist die Falbenzucht alles andere als leicht. Dennoch konnte ich seit Beginn 2022 eine positive Entwicklung feststellen und ich möchte auch in Zukunft weiter mit Falben züchten. Testweise werde ich in kleinem Umfang im Sommer züchten und beobachten, wie sich das auf die Tiere auswirkt. Ich habe bereits Falben im Grünbereich und da werden noch einige hinzukommen. Ich persönlich mag beide Farbreihen gleichermaßen. Was mir noch fehlt, sind sichtbare Falben im Normalbereich, welche qualitativ mit den Zimtern mithalten können. Die Vorarbeit dafür ist bereits geleistet, da ich in den letzten Jahren viele Spalter im Normalbereich gezogen habe.
Passend dazu würde ich mich freuen, wenn Zimt Falben von der AZ in Zukunft auch offiziell anerkannt werden, wie es bei der DSV bereits der Fall ist. Einen entsprechenden Antrag auf Änderung beim DWV Gremium habe ich 2025 eingereicht.
"In der Schauklasse 16/2 werden Falben inklusive Zimt, Zimt Opalin & Opalin zugelassen. Zeichenänderung von 16/2 (b) zu 16/2 (e)"
Die aktuelle DWV-Schauklasseneinteilung [↗] schließt derzeit Falben in Zimt sowie Falben in Zimt Opalin theoretisch noch aus. Ich würde mich freuen, wenn sich dies ändert, da Falben sich in den letzten Jahren einer immer größeren Beliebtheit erfreuen - national wie international. Ich hoffe, dieser kleine Einblick hat euch gefallen. Wenn ihr Fragen habt oder euch weitere Einblicke in meine Zucht wünscht, kontaktiert mich gerne. Ansonsten freue mich mich, einige von euch bald wieder auf den üblichen Schauen zu treffen.
V.P. Produkte, in diesem Fall besonders Aminovimin helfen mir die Vitalität meiner Falben - besonders in der kritischen Phase nach dem Schlupf - zu erhöhen.
Einige Zitate aus diesem Beitrag (siehe Kennzeichnung) stammen aus der 3. Auflage des Klassikers " Das Wellensittichbuch" von Theo Vins.