Die perfekte Zuchtanlage?

Was sollte man beim Bau eines Vogelstalls beachten?

Einmal fest entschlossen, unter die Vogelzüchter zu gehen, ist die Frage nach der richtigen Zuchtanlage sicher eine der ersten, die man sich stellt.

 

Ich selbst hatte beim Bau meiner Zuchtanlagen zwei wesentliche Vorteile, die viele andere nicht haben bzw. hatten. Schon damals, als wir unser Haus gebaut haben, war ich Vogelzüchter und entsprechend konnte der für dieses Hobby benötigte Platz für die Zuchtanlagen mit berücksichtigt werden. Dies ermöglichte unter anderem die Außenvoliere, die mir persönlich sehr wichtig ist. In der warmen Jahreszeit ist es immer wieder ein Genuss, meine Wellensittiche in der Außenvoliere an der frischen Luft zu beobachten. Der zweite große Vorteil war und ist, dass ich die Zuchtanlagen komplett im Stil „Marke Eigenbau“ entstanden sind. Gerade zu Beginn ist das sehr vorteilhaft, da es in der Regel schnell teuer werden kann, wenn man sich seine Zuchtanlage komplett von Profis einrichten lässt.

An dieser Stelle mein erster Tipp: Wenn das Budget begrenzt ist (was in den meisten Fällen so ist), investiert nicht zu viel in die neueste, schickste und teuerste Zuchtanlage. Investiert das Geld lieber in ein paar schöne Wellensittiche, die euch schnell weiterbringen. Es sind schließlich die Tiere, mit denen sich gute Züchter auszeichnen und nicht die Anlagen.

 

Nicht, dass wir uns falsch verstehen. Natürlich sollte man nicht zu sehr an der Zuchtanlage sparen, man will schließlich, dass sich die eigenen Tiere in der Zuchtanlage wohl fühlen, dennoch gibt es viele Dinge, die man später immer noch nachrüsten kann, auf die man am Anfang des Hobbys gut verzichten kann. An der Stelle folgt mein zweiter Tipp: Wenn ihr eure Zuchtanlage plant, dann berücksichtigt unbedingt den Faktor „Hygiene“. Dieses Thema ist so wichtig, dass ich mich diesem später noch in einem separaten Bericht widmen werde. Je einfacher eure Anlage (die Volieren, die Zuchtboxen, die Nistkästen etc.) zu reinigen ist, desto mehr Zeit habt ihr für die schönen Dinge des Hobbys bzw. desto mehr Zeit habt ihr für andere Dinge, die euch wichtig(er) sind (Familie, Freunde, andere Hobbys etc.).



Ich als Tischler bin natürlich ein Holzwurm und entsprechend besteht meine Zuchtanlage zu einem Großteil aus diesem Material. Die ersten Volieren, die Zuchtboxen, die Absetzbox, die Babyboxen bis hin zu den Nistkästen und Sitzstangen, all diese Dinge habe ich mir selbst gebaut. Leider ist dieser wunderbare Werkstoff deutlich anfälliger gegenüber Parasiten (z. B. Milben) und anderen Erregern als beispielsweise spezielle Kunststoffe oder Metalle (z. B. Aluminium). Auch aus diesem Grund, habe ich vor kurzem meine Zuchtanlage dahingehend erneuert.  

Wichtige Bestandteile sind meiner Meinung nach eine Voliere, worin für die Wellensittiche genug Platz ist. Meine Volieren haben ein Gitter mit einem Durchmesser von 16 x 16 mm und sind mit vielen, unterschiedlich dicken Sitzstangen ausgestattet. Der Umfang sollte mindestens 15 mm betragen. Leitern helfen flugunfähigen Vögeln (z. B. aufgrund des Alters) auch die Sitzstangen und alle Futterquellen zu erreichen. Dazu kommen ein selbstgebauter Futterautomat für Körnerfutter und vier bis fünf weitere Futter- und ein bis zwei Wasserquellen. Gereicht wird das Futter in Kunststoffnäpfen bzw. Tonschalen und das Wasser über die klassischen „Wasserfontänen“. Die Böden der Volieren - drinnen wie draußen - sind gefliest und mit einer dünnen Schicht Sand (Vogelsand) versehen. 

 

Dass und warum Spiegel und anderes Plastikspielzeug nicht in die Volieren gehören, brauche ich glaube ich hier nicht weiter ausführen. Macht das bitte euren Tieren zuliebe nicht!

Selbstgebauter Futterautomat für Körnerfutter
Selbstgebauter Futterautomat für Körnerfutter

 

 

Die Zuchtboxen habe ich mit zwei unterschiedlichen Sitzstangen (eckig und rund) ausgestattet, da ich unter den Wellensittichen unterschiedliche Vorlieben diesbezüglich beobachten konnte. Die Böden sind in Wahrheit Schubläden aus Kunststoff, die ich ganz leicht herausziehen und reinigen kann, ohne die Tiere aus der Box nehmen zu müssen. Das ist praktisch und spart Zeit, oder?

Auch beim Nistkasten gilt: Achtet darauf, dass ihr euch welche anschafft, die leicht zu reinigen sind, denn Nistkästen werdet ihr sehr häufig säubern müssen. Ich verwende darin ganz feines und staubfreies Tiereinstreu, welches ihr bei jedem Futterhändler erwerben könnt. Das Einstreu ist besonders wegen seiner Saugfähigkeit wichtig und trägt dadurch zu einem hygienischeren Nistkasten bei. Des Weiteren ist eine Sitzstange direkt am Nistkasten sehr sinnvoll, da hierüber der Hahn die Henne im Nistkasten zufüttern kann oder die Jungtiere, wenn sie größer sind.

Apropos Jungtiere, manche Babyvögel wollen einfach nicht lernen, selbständig Nahrung aufzunehmen und dadurch habe ich früher viele Vögel verloren. Künstliche Ernährung lehne ich ab. Mit der Babybox habe ich eine Methode gefunden, mit der Jungtiere sehr gut lernen, zusammen mit vielen gleichaltrigen, selbständig Nahrung aufzunehmen. Futter und Wasser sind hier natürlich ausreichend verfügbar, es gibt keine älteren Tiere, die die Jungtiere beim Fressen stören und alles ist für die Babyvögel leicht zu erreichen.

Können die jungen Tiere nun von alleine fressen, kommen sie bei mir einen Schritt weiter in die größere Absetzbox. Hier gewöhnen sie sich in Ruhe, daran etwas mehr Platz zu haben und kommen dann in eine der großen Volieren. Ich konnte beobachten, dass ein Teil der Jungtiere, die direkt von einer kleinen Box in die große Voliere gesetzt wurden, nur schwer zurechtkamen, daher dieser Zwischenschritt.

 

Ein letzter Tipp: Achtet darauf, dass die Luftfeuchtigkeit nicht zu hoch ist. Die 70% sollten nicht überschritten werden. Ist die Luftfeuchtigkeit zu niedrig, kann man sie ganz simpel erhöhen, indem man eine Schale mit Wasser auf dem Heizkörper platziert. Ein gutes Hygrometer bekommt man schon für ca. 20 Euro und das ist gut investiertes Geld. Zur Temperatur gibt es unterschiedliche Meinungen. In meinen Zuchtanlagen herrschen ca. 15°C und die Tiere fühlen sich sehr wohl dabei.

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