Vorbereitungen auf die Vogelschau

Was ihr zu dem Thema Ausstellungen wissen müsst

Verl, den 19. August 2017

Sehr häufig werde ich gefragt, wieso ich meine Wellensittiche auf Vogelschauen ausstelle. An der Frage ist was dran, immerhin sind bis Karlsruhe (430 km) oder früher Varel (210 km) eine ganze Ecke zu fahren. Wobei ich noch Glück habe, da Verl verhältnismäßig zentral liegt und die Bundesschau in Kassel beispielsweise nur anderthalb Stunden Fahrt für mich bedeutet. Weshalb ich aber so weite Wege auf mich nehme liegt daran, dass für mich der direkte Vergleich mit anderen Züchtern sehr wichtig ist. Ich möchte nicht nur schöne Wellensittiche züchten, ich möchte auch sehen, auf welchem Level ich mich mit meinen Tieren qualitativ befinde (egal ob Jung- oder Altvögel). Obendrein lernt man auf Ausstellungen schnell neue Leute kennen und kann sich zu den verschiedensten Themen rund um das Hobby austauschen ("fachsimpeln", wie ich es gern nenne).

Teilnahmebedingungen

Noch vor den Wellensittichen hatte ich viele andere Vogelarten gezüchtet, darunter Kanarien, Rosenköpfchen und Nymphensittiche. Ende der 1970er Jahre begann ich schließlich mit Wellensittichen, allerdings den kleinen "Hansi Bubis". Ein paar Jahre später fing ich an, in regelmäßigen Abständen Schauen zu besuchen. Dabei haben es mir die Schauwellensittiche besonders angetan. 1989 dann schaffte ich mir meine ersten Schauwellensittiche an und trat noch im selben Jahr in die AZ-DWV ein, da ich wusste, dass ich eines Tages meine eigenen Tiere ausstellen möchte. Um seine Wellensittiche auf Vogelsschauen ausstellen zu dürfen, muss man grundsätzlich einem Verein beigetreten sein. Erst dann kann man auf Schauen, die dieser Verein ausrichtet oder offenen Schauen, die sämtliche Vereinsmitglieder akzeptieren, ausstellen. Die Werner-Haarde-Gedächtnis-Schau 1994 war schließlich meine erste Schau und viele weitere sollten bald darauf folgen.

 

Die Entscheidung, in welchen Verein Ihr eintreten sollt, kann ich Euch natürlich nicht abnehmen. Ich entschied mich damals für die AZ-DWV, da ich hauptsächlich Vogelschauen der AZ besucht hatte (Bundesschau Kassel, sowie hiesige Landes- und offene Eintages-Schauen der AZ). Neben der AZ-DWV (Deutscher Wellensittichzüchter-Verein als Arbeitsgemeinschaft der AZ) ist die DSV (Deutsche Standard-Wellensittich-Züchter-Vereinigung) der zweite große Wellensittichverein in Deutschland. Darüber hinaus gibt es mit dem DKB (Deutscher Kanarien- und Vogelzüchter-Bund) und der VEZ (Vereinigung für Zucht und Erhaltung einheimischer und fremdländischer Vögel) noch weitere, kleinere Vereine, die eigene Schauen ausrichten. Was kostet die Mitgliedschaft? Derzeit (Stand 2020) beträgt der Mitgliedsbeitrag der AZ-DWV jährlich EUR 42,00. Ich habe Euch am Ende des Berichts die Webseiten der Vereine verlinkt. Dort findet Ihr weitere Details.

Die zweite Bedingung, um auf Ausstellungen mit den eigenen Tieren teilnehmen zu dürfen ist das Beringen der Wellensittiche mit geschlossenen Fußringen. Bei mir bekommen die Jungtiere in der Regel nach sechs Tagen den Ring aufgezogen, den sie ihr ganzes Leben behalten. Man sollte beachten, dass bei Schauwellensittichen der Ringdurchmesser (innen) nicht weniger als 4,4 Millimeter beträgt. Jeder Verein hat seine eigenen Ringe, die man ausschließlich als Mitglied bestellen/erwerben kann. Bei der AZ stehen drei Zahlen auf dem Ring (siehe Foto): Jahr | laufende Nummer | Mitgliedsnummer (in meinem Fall die 12711)


Außerdem gibt es sechs unterschiedliche Ring-Farben (blau, grün, rot, schwarz, orange, lila), die sich jährlich abwechseln.

Schauvorbereitung

Sie wird gerne unterschätzt - die Zeit der Vorbereitung vor einer Vogelausstellung, dabei ist sie so enorm wichtig. Auf den Ausstellungen gilt: Ist ein Vogel nicht fit (mangelnde Kondition) wird er vom Wettbewerb ausgeschlossen (bekommt er einen Strich). Und das ist auch richtig so, denn es sollen doch keine Tiere ausgestellt werden, die offensichtlich "angeschlagen" sind, aus welchen Gründen (Mauser, Krankheit, einfach nicht fit) auch immer. Nun stellt sich zunächst die Frage, wann soll man dann anfangen mit der Vorbereitung und was bedeutet das überhaupt?

 

Vorbereitungszeit

Meine Altvögel (also Tiere, die nicht die aktuellen Ringe tragen) brauchen mindestens vier Wochen, meine Jungvögel (aus der aktuellen Zuchtsaison) bereite ich wenigstens sechs bis acht Wochen vor. Die jungen Schauwellensittiche sollten meiner Meinung nach langsam an das Thema herangeführt werden und brauchen auch etwas mehr Zeit, sich an den Schaukäfig zu gewöhnen. 

 

Training

Sofern es zeitlich machbar ist, sollten die Wellensittiche mindestens vier Mal pro Woche in einen Schaukäfig gesetzt werden. Am Anfang (besonders die Jungvögel) nicht zu lange. Zwischen 10 und 15 Minuten ist eine gute Zeit und dann Schritt für Schritt steigern. Man sollte immer dabei bleiben und die Vögel im Auge behalten. Ich mache das immer während ich mich sowieso in meiner Zuchtanlage aufhalte und gerade füttere oder putze

 

Einsprühen

In den letzten 14 Tagen vor einer Schau besprühe ich meine Schauvögel täglich mit Wasser. Dafür nutze ich einen Drahtkäfig (Marke Eigenbau), den ich in ein Ausgussbecken stelle und dann die Vögel mit einer Druckspritze mit lauwarmem Wasser besprühe, bis das Gefieder angefeuchtet ist. Wozu machst du das alles? Nun ja, das hat zwei Gründe. Zum einen führt es dazu, dass der Schauwellensittich sich dadurch intensiver putzt und somit sein Gefieder mehr glänzt. Zum anderen liegt das Gefieder durch diese Maßnahme enger am Körper an und durch das warme Wasser werden etwaige, verfranzte Schwung- und Schwanzfedern wieder in Form gebracht.

 

Federwachstum

Es ist nicht mehr lang hin bis zur nächsten Schau und die zweite Schwanzfeder ist noch nicht ganz da? Ja, das sind sicher die größten Bedenken eines jeden Züchters, egal ob Anfänger oder Champion. Die entscheidende Frage lautet bei jedem Vogel: Hat er passend zur Schau alle Federn oder schmeißt er vorher welche ab? Jede Feder, die fehlt, führt zu Strafpunkten und mindert dadurch die Chancen in der Wertung weit vorn zu stehen. Erfahrungsgemäß braucht eine Schwungfeder nach dem Ausfall mindestens sechs Wochen um wieder vollständig nachzuwachsen. Schwanzfedern hingegen benötigen etwas mehr Zeit. Hier sollte man von ca. acht Wochen ausgehen. Bei den Kehltupfen geht es allerdings schneller. Sie benötigen in etwa zwei Wochen um nachzuwachsen.

 

Kehltupfen zupfen

 

Womit wir bei den Kehltupfen wären. Auf jeder Seite sollten es bei einem Schauwellensittich drei Stück sein und sie sollten eine gleichmäßige Kette bilden. Die überschüssigen Kehltupfen können mit einer Pinzette, einer Schere oder händisch (mit Daumen und Zeigefinger) entfernt werden. Letzteres benötigt jedoch einiges an Erfahrung. Keine Sorge! Das Entfernen eines Kehltupfen fühlt sich für den Vogel in etwa so an, wie wenn man uns Menschen ein Haar ausziehen würde. Es hört sich also deutlich schlimmer an als es ist und bedeutet keine große Belastung für den Wellensittich. Hier seht Ihr noch ein Beispiel einer Zimt Hellblauen Henne - einmal unfrisiert und einmal frisiert.

Schauwellensittich von Rudi Vennhaus - Champion Züchter
Schauwellensittich von Rudi Vennhaus - Champion Züchter

Schaukäfig

Es gibt Schaukäfige aus Holz und welche aus Kunststoff. Auch aus hygienischen Gründen bin ich bereits vor einigen Jahren von Holz auf Kunststoffkäfige umgestiegen. Beide sind jedoch aktuell (Stand 08/2017) für Ausstellungen zugelassen. Ich selbst benutze welche mit weißen Gitterstäben, da ich finde, dass man hier den Vogel besser sehen kann als durch Gitterstäbe aus Edelstahl. Bei der Einlieferung muss der Käfig in einem tadellosen (sauberen) Zustand sein. Wie ein Schaukäfig auszusehen hat, steht in der Schau-Ordnung.

Ebenfalls vorgeschrieben ist, dass der Boden des Schaukäfigs mit Körnerfutter gut bedeckt ist (wenn ich mich recht erinnere, laut Schau-Ordnung 3 Zentimeter hoch).

 

Neu ab 2017 - Wasserfontänen werden Pflicht

Bei der AZ ist ab 2017 neu vorgeschrieben, dass bei der Einlieferung die Schaukäfige mit einem Napf (Naschnapf) oder einer kleinen Wasserfontäne ausgestattet sind. Bei der Einlieferung hat jeder Aussteller dafür Sorge zu tragen, dass seine Vögel bei der Einlieferung mit Wasser versorgt sind. Ich finde es richtig und wichtig, dass unsere Tiere (besonders bei den mehrtägigen Schauen) frühzeitig mit Wasser versorgt werden. Meine Sorge bei dieser neuen Regelung ist jedoch, dass durch das häufige hin und her tragen des Schaukäfigs während des Richtens, Wasser in das Körnerfutter am Boden (s. o.) des Käfigs gelangt und es folglich zu Schimmelbildung kommen kann.

Bei Naschnäpfen ist dies zwar wahrscheinlicher, jedoch ist hier ja nur sehr wenig Wasser enthalten. Auch bei den Wasserfontänen wird mit großer Wahrscheinlichkeit Wasser ins Körnerfutter gelangen. Hier haben wir jedoch das Problem, dass in den Fontänen viel mehr Wasser enthalten ist, als in den kleinen Naschnäpfen. Also sind eigentlich beide Lösungen nicht ideal. Das bezieht sich jedoch hauptsächlich auf die Zeit während des Richtprozesses.

Ablauf einer Vogelschau

Tiere melden

 

Bei größeren Schauen (Landes, Bundes oder Europaschau) ist eine Voranmeldung notwendig (die Anmeldefristen können variieren und sind beim Ausrichter selbst in Erfahrung zu bringen). Manche Informationen finden sich auch im Internet. Die Anmeldung erfolgt in der Regel per Post, Überweisungsträger oder per Email. Auch das hängt vom jeweiligen Ausrichter ab. Beispiel für das AZ-Europa-Championat (siehe Bild).


 

Einlieferung

Es ist gang und gäbe, die Schaukäfige mit den Wellensittichen in Transporttaschen zu befördern. Dadurch sind die Vögel geschützt (vor zu starkem Wind, Regen und zu starken Sonneneinstrahlungen). In einer typischen Transporttasche passen 4 Käfige oder wahlweise ein Teamkäfig hinein. Es gibt auch kleinere, Taschen (z. B. halbe Taschen für zwei Käfige). Da ich selbst manchmal 20-24 Tiere auf einer Schau ausstelle, habe ich mir für diesen Zweck einen kleinen Transport-Trolley mit vier Gummirädern und einem Zugseil gebaut. Auf diese Weise kann ich mehr als zwei Taschen gleichzeitig transportieren. 

 

Für jede Schau gibt es auch eine Meldeliste (kann man im Internet herunterladen), die man bei der Einlieferung ausgefüllt der Schauleitung oder den Helfern vor Ort übergibt. Anschließend werden die einzelnen Schaukäfige entgegengenommen und mit einem Aufkleber versehen. Auf dem Aufkleber stehen grundsätzlich folgende Daten: Käfignummer, Geschlecht, Schauklasse, und ein ein Feld für Platzierung

 

Richten

Es gibt das sogenannte offene Richten, wo man als Aussteller live mit dabei sein darf und es gibt solche (wie bei der Landes- Bundes- und Europaschau), die unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden. Hier erfährt man dann erst hinterher, wie erfolgreich die eigenen Tiere gewesen sind. Nach welchen Kriterien beurteilt wird, lässt sich genau in der Schau-Ordnung des jeweiligen Vereins nachlesen.

 

Öffnung für Besucher und Siegerehrung

Es ist üblich, dass Vogelschauen für Besucher geöffnet werden. Bei Schauen wo die Bewertung unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfindet, werden diese meist im Anschluss für die Besucher geöffnet. Auf manchen Schauen (z. B. der Landes oder Bundesschau) gibt es für die Besucher noch ein zusätzliches Rahmenprogramm mit vielen attraktiven, geschmückten Volieren inklusive diversen Vogelarten. Manchmal gibt es Tombolas und für das leibliche Wohl ist auch stets gesorgt. 

 

Zum Ende einer Schau (meistens 1-2 Stunden vor der Auslieferung) findet in der Regel eine kleine oder große Siegerehrung statt, auf der die erfolgreichsten Aussteller mit Pokalen/Rosetten oder anderen kleinen Sachpreisen geehrt werden.

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