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Wohin geht die Reise?

Ein kleiner Kommentar zu der Entwicklung unseres Schauwellensittichs auf den heutigen Ausstellungen

Verl, den 4. Juli 2016

Drei Schauen habe ich in diesem Jahr bereits besucht und bin mit den Ergebnissen meiner Tiere sehr zufrieden. Allerdings gibt es ein Thema, das mir zuletzt ziemlich unangenehm aufstößt. Wer mich kennt, weiß, dass ich immer offen und ungefiltert das sage, was ich denke. Das kann man finden, wie man will, doch so bin ich nun mal. Allen kann ich es eh nicht recht machen. Das Thema, welches mir schlichtweg Sorgen bereitet, ist auf der einen Seite der Vogel-Typ, den wir Züchter auf Schauen zunehmend präsentieren und auf der anderen Seite die Tatsache, dass es bei den Preisrichtern immer häufiger keine einheitliche Linie bei der Bewertung unserer Schauwellensittiche gibt.  

 

Ich denke so allmählich sollten wir Züchter uns darüber Gedanken machen, wo wir mit unseren Schauwellensittichen hin wollen. Schon seit Jahren bin ich davon überzeugt, dass wir lieber zwei Schritte zurückgehen sollten. Offensichtlich passiert momentan aber das Gegenteil. Ich habe das Gefühl, dass unsere Wellensittiche immer mehr nach dem Kopf und der Gesamtgröße beurteilt werden. Eleganz und Harmonie treten dabei zunehmend in den Hintergrund. Hohes Kopfgefieder schön und gut, aber hey: Wir züchten doch Wellensittiche, keine Kronenkraniche! Durch zu langes und loses Kopfgefieder ändern unsere Vögel ihre Kopfhaltung, sie verrenken sich, um überhaupt noch etwas sehen zu können.

 

Klar muss ich auch respektieren, dass ein Teil unter uns Züchtern diesen Typ schön findet. Was ich jedoch nicht verstehe, ist die Tatsache, wie man diesen Typ mit den Begriffen Harmonie oder Eleganz in Verbindung bringen kann. Ich gebe offen zu, dass auch ich Tiere im Bestand habe, die diesen Typ ähneln (siehe Foto). Für die Zucht können sie vorteilhaft sein, aber ausstellen würde ich sie nicht.

 

An dieser Stelle sind meines Erachtens auch besonders die Preisrichter gefordert, an einem Strang zu ziehen. Bestes Beispiel war die AZ Europaschau 2016, die zwischen dem 26.8. – 28.8.2016 in Karlsruhe stattfand. Hier war dies nämlich nicht der Fall. Die meisten Siegervögel (u.a. der Schausieger) waren schöne, harmonische Schauwellensittiche. Es gab jedoch ein paar Tiere, die ganz weit vorne standen, meiner Meinung nach aber eigentlich dort nicht hätten stehen dürfen. Der AZ DWV Standard gibt u.a. vor: “Das Gefieder soll glänzend und am Körper anliegend sein.“ und die Augen müssen „seitlich sichtbar“ sein (AZ DWV Standard 2015, Seite 4).  „Übermäßig loses Gefieder“ ist ein Grund, einen Vogel von der Schau auszuschließen" (AZ DWV Standard 2015, Seite 10).

 

Wenn sich die Preisrichter nicht an diese Vorgaben halten, sehe ich die Schauleitung dafür in der Verantwortung, in Zusammenarbeit mit dem jeweiligen Preisrichter-Obmann, die Preisrichter zukünftig korrekt zu schulen. Dass auf einer Europaschau ein wunderschöner weißer Hahn ein „FK“ bekommen hat, weil er vom Preisrichter offensichtlich mit einem Grauflügel verwechselt wurde, ist echt traurig. Wäre er nicht zu Unrecht disqualifiziert worden, hätte er mit Sicherheit weit vorne gestanden.

 

Fakt ist, dass ich mit dieser Meinung auch bei weitem nicht allein dastehe, was mich zusätzlich ermuntert hat, diesen kleinen Kommentar aufzuschreiben und zu veröffentlichen.       

 

Am Ende sollte jeder für sich selbst entscheiden, was er will. Ich hoffe nur, dass alle Parteien die richtigen Entscheidungen treffen, auch im Sinne unserer Tiere, ansonsten kehrt in unserem Hobby so schnell keine Ruhe mehr ein...

 

Euer Rudi Vennhaus

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Jahresringe und Verlängerung des Status "Jungvogel" auf zwei Jahre?

Ein kurzer Kommentar zum Vorschlag in der Wellensittich-Welt-Ausgabe (08/2015), nachzulesen auf Seite 21

Verl, den 24. August 2015

Zunächst einmal befürworte ich das Engagement und den offenen Austausch unter Züchter-Kollegen, wenn es um neue Vorschläge und Ideen zur Verbesserung rund um die Wellensittich-Zucht geht. Zu einem offenen Austausch gehört, dass man sich möglichst alle Sichtweisen/Meinungen zu einem Thema anhört und die der anderen respektiert.

 

Der erste Vorschlag besteht inhaltlich gesehen darin, die Ringe erst zum ersten Januar eines Jahres auszugeben und nicht, wie bisher, bereits im Oktober des Vorjahres.

So kam das Argument, dass Tiere zwischen April und Oktober am besten brüten. Natürlich ist das von Züchter zu Züchter bzw. Bestand zu Bestand unterschiedlich. Die Mehrzahl der Wellensittich-Züchter beginnt jedoch mit der Zuchtsaison ab Ende September, spätestens Anfang November und das seit Jahren. Meistens wird acht Monate am Stück gezüchtet, manchmal sogar länger, auch natürlich abhängig vom Erfolg. Wichtig, das Zuchtjahr ist eben längst nicht mehr gleichzusetzen mit dem Kalenderjahr. Gerade deshalb ist es auch keine „Urkundenfälschung“, wie behauptet. Ich persönlich beginne Mitte September und beende die Zucht spätestens Anfang Mai. In den Hochsommermonaten Juli und August bei streckenweise enormen Temperaturen zu züchten, halte ich für unangemessen. Auch weil ich zu dieser Zeit meistens im Urlaub bin, bevorzuge ich es, wenn die Zuchtsaison dann bereits beendet ist. Wie man sieht, jeder hat so seine Gründe und wenn jetzt 80% der Züchter ihre Zuchtsaison verschieben müssten, weil die übrigen 20% in den Sommermonaten besser züchten, weiß ich auch nicht, ob das so gut wäre.

Viele Wellensittiche, die ich als Jungvögel auf dem Europa-Championat in Karlsruhe (August) oder der AZ-Bundesschau in Kassel (November) ausstelle, sind aus dem Vorjahr und schon so weit entwickelt (ca. 8-12 Monate) und durch die Mauser, dass man sie ausstellen kann.

 

Hier kam dann der Vorschlag, im Zuge der neuen gestalteten Vergabe der Ringe, den Status der Jungvögel um ein Jahr auf zwei Jahre zu verlängern. Nehmen wir mal an, diese Regel ließe sich umsetzten, so wird es folgendes Szenario geben:

Europa-Championat Karlsruhe, August 2017

Es stehen sich zwei Hennen/Hähne gegenüber, die/der eine ist aus dem Jahr 2016, die/der andere aus dem Jahr der Ausstellung (2017). Die Bewertung wird hier – wie auch auf der Bundesschau in Kassel –  zwischen Jung- und Altvögeln getrennt (vgl. „800er Regel“ AZ- DWV SchauO Punkt 9).

Zugelassen als Jungvögel sind jene Wellensittiche, die mit einem Ring von 2016 (ab 01.01.2016) beringt worden sind. Die Wellensittiche könnten theoretisch auf dem Europa-Championat im August 2017 über 20 Monate alt sein. Auf gleicher Stufe stehen diese Wellensittiche gegenüber deutlich jüngeren Wellensittichen, also den eigentlichen Jungvögeln.    

Welche Entwicklungsschübe – egal ob Hennen oder Hähne – es in einem einzigen Jahr gibt, ist jedem Züchter bekannt. Es wird also ein Wellensittich, welcher seine Entwicklung nahezu abgeschlossen hat (zwei Jahre alt) und durch die zweite Mauser auch schon durch ist, mit einem Wellensittich verglichen, welcher sich in einem ganz anderen Stadium der Entwicklung befindet. Das ist, mit Verlaub, absurd, denn dann könnte man die Einstufung zwischen Jung- und Altvögeln auch direkt bleiben lassen.

Ein Jungvogel ist, so sehe ich das jedenfalls, ein Vogel, welcher eben noch nicht komplett entwickelt ist. Diesen dann mit deutlich älteren Wellensittich auf eine Stufe zu stellen und nebeneinander zu bewerten, ist nicht Sinn und Zweck der Unterteilung zwischen Jung- und Altvögeln.

Noch dazu kommt, dass aufgrund der allgemeinen Federproblematik immer weniger Wellensittiche für mehr als zwei Jahre für eine Ausstellung geeignet sein werden. Ich befürchte Wellensittiche, die mit mehr als drei Jahren noch komplett befiedert sind, wird es, sofern der Typ sich nicht klar zu den Idealen eines Wellensittiches nach der WBO zurücksinnt, schon bald nicht mehr geben.   

Anders als behauptet, würde diese Neuerung nicht nur Vorteile für uns Aussteller bringen. Was den Stress für die Wellensittiche betrifft, so glaube ich, dass eher die Landesschauen, welche ganze vier Tage dauern (Do-So) ein Stressfaktor sind, das habe ich allerdings schon mehrfach betont. Ginge die Zuchtsaison im Januar eines Jahres los, so hätte man dennoch Überschneidungen mit den Vogelschauen, von denen die ersten schon im Mai eines Jahres beginnen. Auch das Europa-Cjampionat liegt im August, also in der theoretischen Zuchtsaison.

So gesehen bin ich gegen diesen Vorschlag zu einer neuen Regelung, da diese in meinen Auge mehr Chaos, als Nutzen für die Mehrzahl der Wellensittich-Züchter bedeuten würde.

 

Euer Rudi Vennhaus

800er Regel: Erreicht oder überschreitet die Gesamtselbstzuchtkäfigzahl einer Schau 800, so muss nach Jung- und Altvögeln, sowie nach Geschlechtern getrennt werden.

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